Grundbegriffe
Die universitäre Management- und Entrepreneurshiplehre hält es wie die restliche Betriebswirtschaft: Man verwendet gerne komplizierte Begriffe für relativ simple Sachverhalte. Unter die humoristisch betitelte Buzzword-Compliance fallen auch Themengebiete der Unternehmensverantwortung: Nachhaltigkeit, Corporate (Social) Responsibility, Corporate Responsiveness, Corporate Citizenship und Corporate Governance haben im Kern die gleiche Bedeutung. Diese Ansätze konzentrieren sich auf Verantwortung von ganzen Unternehmensstrukturen gegenüber Ihren Stakeholdern, der Gesellschaft und der Umwelt.
Eine Perspektive, die das Individuum – also im Gründungskontext konkret den Gründer – in den Vordergrund stellt, ist das Leitbild des Ehrbaren Kaufmanns. Es fordert Wirtschafts- und Sozialtugenden, die gegenwärtig wieder wichtiger als je zuvor sind.
Das Tutorial möchte Licht ins Dunkel bringen und einige Begrifflichkeiten der Unternehmensverantwortung erläutern:
Verantwortung
Der Begriff Verantwortung bedeutet in seinem Kern, Antwort geben zu können auf Dinge, die eine Person gesagt oder getan hat. Verantwortung ist gerade in der freien Wirtschaft eine Notwendigkeit, da sie als innere Beschränkung die Ausnutzung der großen Freiheiten, die sich im unternehmerischen Alltag bieten, verhindert. Dazu braucht es zunächst keine Gesetze. In einer Welt, in der jeder Mensch verantwortungsvoll handelte, wären Gesetze nicht nötig. Gesetze sind aber dennoch nötig, um die Ausübung von Verantwortung zu ermöglichen. Für Verstöße gegen die Regeln drohen dem Verantwortungslosen harte Strafen. Unternehmensgründer sollten sich darüber im Klaren sein, dass die Gründung eines Unternehmens eine starke Einflussnahme in die Gesellschaft ist, welche mit der Absicht der Gewinnerzielung einhergeht. Dieser Gewinn wird dem Unternehmer dann durch die Gesellschaft auch zugestanden, wenn er seine Rolle mit Verantwortung ausfüllt. Das Tutorial wird Anregungen geben, wie vielfältig die Verantwortungsausübung eines Unternehmers sein kann.
Nachhaltigkeit und Corporate (Social) Responsibility
Nachhaltigkeit
Der Begriff Nachhaltigkeit stammt ursprünglich aus der Forstwirtschaft und meint ein regeneratives ökologisches System wie beispielsweise ein Naturschutzgebiet. Die wohl bekannteste Definition für Nachhaltigkeit findet sich im 1983 veröffentlichten Brundtland-Report der Vereinten Nationen:
"Dauerhafte Entwicklung ist die Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können."
Es bedeutet also im Klartext ökologische, soziale und ökonomische Ressourcen nicht auszubeuten. In der Wirtschaft und im Journalismus wird der Begriff häufig fälschlicherweise als Synonym für Langfristigkeit benutzt.
Corporate Citizenship, Corporate Responsiveness, Corporate (Social) Responsibility, Corporate Governance
Unter Corporate (Social) Responsibility, Corporate Responsiveness oder Corporate Citizenship versteht man das Auftreten von Unternehmen als "guter Bürger" in der Gesellschaft. Nachhaltig handelnde Firmen messen ihren Erfolg nicht nur an Bilanzen und Gewinn- und Verlustrechnungen, sondern beziehen auch sozial- und umweltverträgliche Überlegungen, über das gesetzlich vorgeschriebene Niveau hinaus, in jede ihrer Unternehmensentscheidung mit ein. Die Berücksichtigung dieser drei Entscheidungsdimensionen wird in der Ethikforschung und –lehre als Triple-Bottom-Line bezeichnet. Die Corporate Governance – Anreiz- und Kontrollsysteme im Unternehmen – bildet den unternehmensinternen Ordnungsrahmen.
Wie das konkret aussehen kann, wird im Kapitel "Umsetzung“ ausführlich beleuchtet.